China Reise
Oktober 2025
Knapp ein Jahr lang reiften unsere Pläne, und mit ihnen wuchs die Vorfreude, bis es im Oktober endlich so weit war:
Wir, das Wushu Team unter der Leitung von Dong Zhao, traten unsere Reise nach China an. Für einige war es bereits die vierte Reise dorthin, während andere gespannt darauf warteten, zum ersten Mal die Wurzeln unserer Kampfkunst hautnah zu erleben.

Am 11.10.2025 landeten wir in Peking. Beim ersten gemeinsamen Abendessen machten wir nicht nur Bekanntschaft mit der chinesischen Küche, sondern auch untereinander, denn neben dem Team aus Bremen waren dieses Mal auch Wushu-Begeisterte aus Kassel und Leipzig dabei.
Am nächsten Tag ging es mit dem Zug weiter nach Qingdao, die Heimatstadt von Shifu Dong Zhao, in der er bereits als Kind Wushu von Meister Wu lernte.
Unser erstes Kung-Fu-Training fand auf einem imposanten Platz in der Nähe unseres Hotels statt. Zum ersten Mal begegneten wir dort Meister Wu und seinen Schülern, begleitet von der lokalen Presse.


Am Nachmittag folgte ein erstes Tai-Chi-Training in traumhafter Atmosphäre am Strand.
Meisterin Xue stammt aus einer Familie, die seit Jahrzehnten Tai Chi praktiziert. Zusammen mit einer ihrer Schülerinnen führten sie uns in die ersten Bewegungen unserer Formen ein.
Der Großteil unserer Gruppe lernte die eher dynamisch und elegante Fächerform, während die anderen die ruhiger fließende 40er-Form trainierten.
In den folgenden zwei Wochen trainierten wir täglich. Der Morgen begann stets mit drei Stunden Tai Chi, bei denen unsere Meisterinnen immer große Geduld mit uns zeigten. Nachmittags erkundeten wir entweder Qingdao oder gönnten uns ein wohlverdientes Mittagsschläfchen.


Abends fuhren wir zu Meister Wus Halle, wo seine Schüler trainieren. Einige Male durften wir zusehen, wie sie ihr Können unter Beweis stellten, was uns alle tief beeindruckte. Zwei erfahrene Schüler, von Meister Wu, lehrten uns die Form mit dem Doppelsäbel. Shifu Dong Zhao und zwei weitere aus unserer Gruppe, die seit über zehn Jahren Wushu praktizieren und selbst unterrichten, widmeten sich einer fortgeschritteneren Form mit den Hakenschwertern.

Nach zwei intensiven Trainingswochen begann der zweite Teil unserer Reise. Von Qingdao aus machten wir einen Tagesausflug in das naheliegende Laoshan-Gebirge, das mit seinen Tempeln und Bergen als eine der zentralen Stätten und Ursprünge des religiösen Taoismus gilt. Am nächsten Tag kehrten wir nach Peking zurück, wo uns noch einige Tage Sightseeing erwarteten.


Eine Reiseführerin führte uns zunächst durch die Verbotene Stadt, deren beeindruckende Architektur und gewaltige Ausmaße uns staunen ließen. Anschließend Besuchten wir den Himmelspalast, der mit seiner spirituellen Bedeutung eine besonders friedvolle Atmosphäre ausstrahlte.

Am zweiten Tag stand eines der Wahrzeichen Chinas auf dem Programm: die Große Mauer. Der Abschnitt, den wir bestiegen, war besonders steil. Doch das hielt einige von uns nicht ab, die auf der Reise gelernte Tai Chi Fächerform mit beeindruckender Aussicht oben auf der Mauer aufzufrischen. Nachmittags besuchten wir das Grab des Kaisers Ming, einen bedeutungsschweren Ort, der uns alle zum Nachdenken anregte.

Der dritte und letzte Sightseeingtag führte uns zum Sommerpalast, der durch seine Lage am Wasser einen ganz besonderen Zauber entfaltet. Zum Abschluss besichtigten wir den Lama-Tempel im Herzen Pekings, dessen intensive Düfte und tief verwurzelte Spiritualität uns nachhaltig beeindruckten.
Den letzten Tag nutzten einige, um historische Künstlerviertel und bezaubernde Parks zu erkunden, Souvenirs zu kaufen, ein traditionelles Stück der Pekingoper anzuschauen oder sich eine wohltuende Massage zu gönnen. Nach drei Wochen voller schmerzender Gelenke, leckeren Baozi und zahlreicher Einblicke in eine faszinierende Kultur und den Ursprung unserer geteilten Leidenschaft traten wir schließlich schweren Herzens die Heimreise an. Doch das Ende dieser lehrreichen Zeit bedeutete für uns nicht, das Gelernte in China zurückzulassen. Viel mehr motivierte es uns, unsere neuen Fähigkeiten, Erkenntnisse und Rhythmen mit nach Deutschland zu nehmen, um sie in unseren Alltag und das Training zu integrieren.
Geschrieben von E. Wenger


